Navigation

Startseite

Seite 1

Aufklärende Fragen zur Transsexualität

Home

Vita Harumi

Kurzchronik

Mein Weg - eine Betrachtung

Tagebuch

Wie kannst Du helfen?

OP-Technik nach Dr. Schaff

Ga-OP Nachsorge

Erklärungen

.....

Galerien:

Meine Veränderung

Mein neues Leben

Freundinnen / Freunde

Rechtliches:

Gesetze, Beschlüsse

Standards of Care

Beleidigung - am Beispiel Verein

-

Gästebuch

Bannertausch

Links

E-Mail

Impressum

Sitemap

 

 

www.Harumi-Michelle.de

Wie können Familie, Freunde, Lehrer und Arbeitskollegen eine transsexuelle Frau bei ihrem Übergang unterstützen?

Sobald der Weg einmal beschritten ist, geht es für die Betroffenen um Leben oder Tod. Es geht nicht um den sexuellen Kick oder darum, andere zu ärgern. Nichtsdestotrotz können die dramatischen Veränderungen der Betroffenen schockierend für die Menschen sein, die die Betroffene kennen. Es gibt außerdem zahlreiche praktischen Fragen wie z.B. die des Namens, der Toilettenbenutzung, der Anrede und wie all das der Familie und den Freunden nähergebracht werden soll. Das alles kann ein endloser traumatisierender Spießrutenlauf werden.

Als eines der größten Probleme zeigt sich immer wieder, dass Freunde und Angehörige oft Schwierigkeiten haben, den Menschen in der gewohnten alten Rolle loszulassen und in seiner neuen Rolle anzunehmen. Wenn die Überreste des alten Lebens deutlich sind, könnten gerade die Angehörigen an der alten Identität festklammern und die jetzige Person im falschen Geschlecht empfinden. Wenn die Spuren der Vergangenheit nur schwach sind und der frühere Mensch verschwunden zu sein scheint, könnte sich Hass darauf entwickeln, dass man durch seine neue Identität den alten geliebten Menschen getötet hätte. Allzu viele transsexuelle Frauen verlieren jede Verbindung zu ihren Partnerinnen, Familien, Verwandten und alten Freunden und müssen nach ihrer Transition ganz neu nach Freunden, Bekanntschaften und Liebe suchen (genau diese Erfahrung musste Lynn während ihrer Transition machen). Je näher jemand dem ehemaligen Menschen stand, desto stärker er dieser alten Identität verhaftet, und umso wahrscheinlicher ist es, dass man während und nach der Transition in der neuen Identität komplett abgelehnt wird.

Darüber hinaus können die äußerlichen Veränderungen, die von der Hormonsubstitution und den Operationen bewirkt werden, so tiefgreifend sein, dass dies bei anderen tiefgreifende innere Konflikte auslösen kann. Manche Männer könnten beispielsweise die Betroffene als "Mann im Rock" wahrnehmen und sich über "ihn" lustig machen, ein Jahr später dann jedoch erschüttert sein, wenn sie auf die zunehmend feminisierte Transsexuelle als eine sexuell attraktive Frau reagieren. Andere hingegen könnten die Augen vor den Veränderungen verschließen und an der Wahrnehmung der Betroffenen als "Mann im Rock" festhalten und sich durch Fehler in der Wortwahl bloßstellen (z.B. ständig von "ihm" sprechen, wenn alle Welt "sie" sieht).

Daher muss eine Frau während ihrer Transition nicht nur Tag für Tag mit den enormen Veränderungen ihres Körpers und ihrer emotionalen Befindlichkeit klarkommen, sondern auch noch mit den stark unterschiedlichen Änderungen der Einstellung der Menschen aus ihrem Umfeld ihr gegenüber. Ein klein wenig Verständnis und höfliche Hilfestellung in praktischen Angelegenheiten durch Freunde und Kollegen kann sehr zum Erleichtern dieser Bürde der Transition beitragen.

Mehr noch, die Medien verhalten sich hierzu alles andere als hilfreich. Diese Praxis beeinträchtigt das Leben transsexueller Frauen enorm, weil es die Haltung der Gesellschaft erheblich verzerrt und so dazu beiträgt, dass die Zeit der Transition für sie erschwert wird.

Wegen dieser fortwährenden medizinischen, juristischen, administrativen, beruflichen, religiösen und zwischenmenschlichen Herausforderungen wird sich jede Transsexuelle in ihrem Leben hunderten, wenn nicht tausenden ihrer Mitmenschen offenbaren müssen — egal wie gut ihr Passing auch sein mag. Gegenwärtig kann dies immer noch bedeuten, dass transsexuelle Frauen mit jeder Reaktion von Geringschätzung bis hin zu geschockten Reaktion rechnen müssen.

Selbst der stärkste Charakter kann durch die Summe all dieser Rückschläge und schmerzlicher Erlebnisse entmutigt werden. Aus Sicht der Transsexuellen mitten in ihrem Übergang kann das wie ein permanentes irrationales und maßloses Mobbing durch alle in ihrem Umfeld wirken. Selbst die, die mit ihren Ängsten umgehen können und eine ausgesprochen positive Einstellung zum Leben haben, können durch diesen immerwährenden Druck heruntergezogen werden. Es besteht sogar die Gefahr, dass man verbittert wird und sich gegen diesen Druck zur Wehr setzt. Dies kann sehr kontraproduktiv für eine Ausstrahlung als warmherzige und zufriedene Frau werden.

Mit Hilfe von Psychotherapie und der Nutzung von Hilfsangeboten können die betroffenen Frauen zwar besser mit diesen Tiefschlägen zurechtkommen; ein verständnisvollerer Zugang besonders seitens der Medizin, des Gesetzgebers und der Religionsgemeinschaften würde jedoch erheblich dazu beitragen, die Belastung und das Gefühl der Stigmatisierung zu verringern, denen so viele transsexuelle Frauen ausgesetzt sind.

Familienmitglieder, Freunde und andere, die mit Transsexuellen kommunizieren, können sich mit Hilfe von Büchern einen Eindruck dessen verschaffen, was Transsexuelle auf ihrem Weg durchmachen.

Zum Glück gibt es für die meisten transsexuellen Frauen ein "Licht am Ende des Tunnels" ihrer Transition. Für gewöhnlich verringern sich die sozialen Probleme in dem Maße, in dem die Betroffenen in der Gesellschaft als Frauen assimilieren. Viele Post-OP-Frauen versuchen darüber hinaus, ihre Rolle zu festigen und unnötige soziale Schwierigkeiten zu vermeiden, indem sie ihre Vergangenheit verstecken und im "Tarnkappen-Modus" leben. Daher sollten Freunde und Kollegen, die von der Vergangenheit einer transsexuellen Frau wissen, sehr sorgfältig darauf bedacht sein, ihre Privatsphäre zu wahren. Unabhängig davon sollten sie umgehend eventuell aufkeimenden Gerüchten entgegenwirken.

Mit ein wenig Wissen über Transsexualismus kann jeder Leser vielleicht dazu beitragen, anderen ebenfalls zu einem besseren Verständnis zu verhelfen. Mit besserem Verständnis können die Mitbetroffenen dazu beitragen, dass die praktischen Probleme leichter zu bewältigen sind und so die Schwierigkeiten des Übergangs für eine transsexuelle Freundin, Kommilitonin oder Arbeitskollegin zu verringern. Sobald der Übergang einmal vollzogen ist, wird sich die neue Frau für gewöhnlich unauffällig in die Gesellschaft einfügen und ein ziemlich normales, aber viel glücklicheres Leben führen.

 

© H. M. Waßerroth

Counter