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Aufklärende Fragen zur Transsexualität

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www.Harumi-Michelle.de

Vita Harumi Michelle,

"Auf dem Weg zur Frau"

~Lebensweg einer Frau,

die nicht als Frau geboren wurde~

Teil 2

"Harumi will raus!"

 

  

 

Teil 2

Erste Liebe, Heirat, Wende und dann

Quellendorf 1998 ~ hab ich den gleichen Weg? :

Um 1983/1984 kam mir eine Frau näher, die ich eigentlich schon lange kannte, es war die Ehefrau meines damals besten Freundes. Der Funke sprang über, ich hatte Schmetterlinge im Bauch. Ich glaubte, die Frau in mir hat sich damit erledigt und der Wunsch, so zu leben und weiblich sein zu wollen, ein Ende. Ich ahnte ja noch nicht, dass ich als Frau in Wahrheit pure Realität bin und der "Mann" nur Fassade ist. Hier wurde dann aufgeräumt. Die wenigen Fotos (Eigenproduktion) von mir als Frau, die Kleidung selbst und was sich sonst noch so alles angesammelt hatte, habe ich weggeschmissen. Heute trauere ich zumindest den Fotos nach, waren sie doch eine unwiederbringbare Dokumentation aus meinem Leben. Nicht mal ein Jahr dauerte die Liebe zwischen uns. Sexuell ist bis auf Schmusen auch nichts gelaufen. Ich war dazu einfach nicht in der Lage, konnte wohl auf Grund meiner Prägung nicht. Sicherlich wäre als Beweis für Männlichkeit dieses Erlebnis bzw. diese Erfahrung dienlich gewesen, aber im Kopf lief immer ein anderer Film. Sie meinte dazu, ich sein noch sehr unerfahren: "Du bist ja noch so 'unschuldig'!" Frustration, als "Mann" versagt zu haben, machte sich breit. Natürlich hatte ich mit niemandem darüber gesprochen, es musste auch keiner unbedingt wissen. Hatte sich im Hintergrund vielleicht diese Harumi stark gemacht und ich habe es nur nicht deuten können? Hier gab es die ersten Ansätze, über meine Neigung auch mit einem anderen Menschen zu sprechen. Übrigens Marianne hieß sie, zufällig auch der gleiche Name wie der meiner Mutter. Mehrfach hatte ich zur Erklärung angesetzt, habe mich aber doch nicht getraut, Klartext zu reden, auch weil ich große Angst hatte, dass sie mich nicht versteht. Um 1984 war das ja noch mehr als heute höchstwahrscheinlich. Ich habe nur erzählt, dass da mit mir etwas ist. Marianne bedrängte mich nicht, mit der Sprache rauszurücken. Sie zeigte Verständnis, dass ich noch nicht bereit war, über mein "Problem", welches auch immer, zu reden. An Transidentität hatte sie aber bestimmt nicht im Geringsten gedacht.

Während dieser Zeit habe ich sehr viel gelesen, hauptsächlich Erzählungen aus dem Leben und von der Suche nach persönlichem Glück. Gefunden hatte ich es nicht, wie sollte ich auch, ich hatte mich ja noch nicht mal selbst gefunden.

Wir haben uns dann einvernehmlich getrennt und die Freundschaft mit ihrem Mann war auch dahin. Mit Marianne hatte ich dann, bis auf zwei, drei Mal sich auf der Straße zufällig treffen, keinen Kontakt mehr.

Heute kennt sie mich nicht mehr oder will mich nicht mehr kennen. 

 

Nur wenige Monate später hatte eine Tante von mir in "Zusammenarbeit" mit einer Gartennachbarin unabhängig vom Vorgeschehen für mich ein Treffen arrangiert, bei dem ich meine heutige Ehefrau/Ehepartnerin kennenlernen sollte. Ich weiß auch heute noch nicht, ob dies Schicksal oder Bestimmung war. Jedenfalls sind wir bereits nach wenigen Treffen zusammengezogen. Ich habe mich der "Aufgabe" gestellt, es noch mal zu versuchen. Wir beide um die 30 Jahre alt, hatte so jede ihre eigene Meinung vom Leben. Da flogen schon mal die Fetzen. Nach fast genau einem Jahr haben wir dann doch geheiratet und sind sogar heute noch ein Paar. Das ständige Auf und Ab in unserer Ehe hat uns erstaunlicher Weise immer fester zusammengeschweißt. Wir wollten auch Kinder, aber auf Grund einer Operation meiner Frau blieb uns dieser Wunsch verwehrt. 

Schon in der Phase des Kennenlernens meldete sie sich wieder, die Frau in mir, Harumi, mein wahres ICH und rief 'Hallo'. Ich machte mir Gedanken, wie ich das organisieren könnte, wo lasse ich nun die Sachen, damit sie nicht gefunden werden. In der elterlichen Wohnung war das kein Problem, aber hier? Es war eine ernstliche Überlegung und ich hatte wirklich Bedenken, wie das gehen soll. Wenn ich keine brauchbare Lösung finde, war mir schnell klar, dass ich ohne nicht leben wollte. Not macht erfinderisch! Schon bald fing ich langsam, in ganz kleinen Schritten, wieder mit dem Verkleiden an und wollte lieber eine Frau sein. Meine Ehefrau bemerkte davon aber nichts.

 

Bislang befand ich mich fast in der Illegalität und konnte in der Gesellschaft und wohl auch zu diesem Zeitpunkt von meiner Frau dafür kaum Verständnis erwarten, in der weiblichen Identität zu leben. Über das Westfernsehen schwappten nun auch vereinzelt mehr Informationen über Transsexualität herüber. Da tauchten schon mal Gedanken meinerseits in diese Richtung auf: Das gibt es doch bei mehreren Menschen? Ich auch? 

Hier noch eine weitere Episode: Kurz vor der Wende, ich hatte noch kein Auto und war immer mit dem Moped unterwegs, kam mir die Idee, unter einem Motorradhelm erkennt dich doch keiner. Also packte ich meine Sachen und alles was mich als Trans* identifizieren könnte in eine Tasche und fuhr wie so oft in den Wald, um mich dort umzuziehen. Damenlederhose, Stiefel, enge Lederjacke oder Windjacke, dann kam noch der Motorradhelm wieder auf den Kopf und los ging die Fahrt über die Landstraßen der Umgebung, nach Premnitz, Rathenow, Genthin und kreuz und quer. Das war ein unbeschreibliches Gefühl, ich lebte mich selbst! Auf dem Moped sah ich wie eine Frau aus, denn durch den Fahrtwind zeichnete sich durch die Windjacke wunderbar eine weibliche Brust ab. Als Brüste nutzte ich meine mit Wasser gefüllten Ballons. Die wippten sogar recht natürlich. So wurde ich einmal von einen LKW der Armee überholt. Hinten saß eine Gruppe Soldaten, die sind fast über die Bordwand gefallen, als sie mich erspäht hatten. Wer ahnte schon, dass diese Frau "männlich" sein sollte, die da auf dem Moped saß. Das ging viele Male gut, nur einmal in Premnitz, natürlich in der Ortslage, bin ich mit Zündkerzenproblemen liegengeblieben. Es war Sommer und sehr warm und den Helm absetzen traute ich mich nicht. Ich schwitzte beim Kerzenwechseln nicht nur wegen der Hitze, sondern wohl mehr, dass man mich erkennen könnte. 

Leider gibt es von diesen Fahrten keine Fotos.

Es war auch die Zeit, in der die Brustimplantate aufkamen. Durch die anfangs auftretenden Probleme damit und die vielfache Berichterstattung darüber im Fernsehen wurde ich ebenfalls darauf aufmerksam. Diese Möglichkeit würde meinen Körper weiblicher gestalten können. Wenn ich so eine OP machen ließe? Aber wie soll das gehen? Ich bin doch ein "Mann"? In meinen Träumen malte ich mir aus, wie das wäre mit eigenen Busen.

 

Dann kam 1989 die politische Wende :

 

Erst mal änderte sich für mich nichts. Es gab nun alles mögliche zu kaufen, was wir vorher nur aus dem "Westfernsehen" kannten. Supermärkte schossen aus dem Boden und jeder hatte mit sich zu kämpfen, um mit den neuen Verhältnissen klarzukommen. Bei mir gab es mit der Umstellung eigentlich keine großen Probleme. Zuversichtlich in die Zukunft blickend sog ich alles Neue in mich rein. In Magazinen und Broschüren entdeckte ich allerhand, wovon ich allenfalls mal etwas gehört oder im Fernsehen gesehen hatte. Hier entdeckte ich auch, das es Bekleidung aus Latex gibt. Latex schmiegt sich schön eng an wie eine zweite Haut, aber man schwitzt auch wahnsinnig darunter. Damit konnte ich gut das männliche Aussehen meines Körpers kaschieren. Es war ein unbeschreibliches Feeling, wenn sich dann dadurch eine halbwegs weibliche Silhouette simulieren lies. Latex hat aber nun auch den Touch der Fetischisten und ein Fetischist bin ich ja nicht. Der kurze Ausflug in die Welt des Latex war ebenfalls nur eine Station auf meinem Weg der Selbstfindung.

In dieser Zeit fand auch die Problematik Transsexualität in den Medien immer mehr Aufmerksamkeit, wenn auch nur sehr langsam und oft mit verfälschtem Wahrheitsgrad. Aber es wurde das Thema nicht mehr totgeschwiegen und die Wissenschaft forschte intensiver. Ich erinnere mich noch an einen Krimi, in dem eine Transfrau mitspielte, die sich, weil sie in Deutschland nicht die entsprechenden Gutachten bekam, in einem osteuropäischen Land hatte operieren lassen (so die Aussage des Drehbuches). Sie war etwas jünger als ich damals und sah super aus. Das war mein erster näherer Kontakt zu einer realen Machbarkeit einer Geschlechtsangleichung. Ich wurde neugierig und meine Sehnsucht bekam realistischen Nährboden.

Bis etwa in diese Zeit hatte ich versucht, meinen "männlichen" Aufgaben als "Ehemann" so gut wie möglich zu entsprechen. Es stellten sich dann bei mir nach und nach beim gemeinsamen Sex Probleme ein, nicht biologischer, sondern eher psychischer Art. Ich war schon drauf und dran, einen Sexualtherapeuten aufzusuchen. Hätte ich es nur gemacht. Vielleicht hätte er da schon festgestellt, wie meine Seele wirklich tickt und mein weiterer beschwerlicher Weg wäre eventuell kürzer gewesen und ich hätte viele Jahre früher den Weg zu meiner wahren Identität gefunden.

Es kam das Jahr 1998, eigentlich ein Jahr wie alle anderen auch, aber nicht für mich. In Quellendorf, einer Gemeinde in Sachsen-Anhalt bekannte sich der dortige Bürgermeister zu seiner Transsexualität und erklärte, dass er bzw. nun sie fortan nur noch als Frau Michaela Lindner leben werde. Das war natürlich ein Medienereignis, was auch in allen Zeitungen stand. Ich hatte die ganze Berichterstattung darüber sehr intensiv verfolgt. Wenn ich die einzelnen Zeitungsartikel dazu las, achtete ich besonders auf meine Frau, sie sollte ja nicht merken, was mich da so überaus interessierte. All das ganze Geschehen um Frau Lindner rief in mir Gefühle hervor, die ich so noch nie erlebt hatte. Ein Mensch gesteht offiziell den Wunsch, den Weg der Transformation vom Mann zur Frau gehen zu wollen. Was ist mit mir? Ich würde auch gern eine Frau sein wollen! Meine Sehnsuchtsträume erhielten neue realistische Nahrung, es ist also doch möglich, auch in Deutschland. Aber für was für einen Preis? Frau Lindner wurde als Bürgermeisterin abgewählt und ausgegrenzt. Was könnte mir passieren so weit bis ins Detail dachte ich da noch nicht. Ich kann auch heute nicht sagen, ob ich den schwierigen Weg durchgestanden hätte. Trotzdem denke ich, ich hätte es geschafft, weil mir dabei meine wahre Identität dann schon bewusst geworden wäre. Aber ich habe es nicht gewagt, ich hatte viel zu viel Angst. Angst vor den Konsequenzen in der Gesellschaft und vor allem vor meiner Frau, sie zu verlieren leider! Heute könnte ich mich sonst wie ohrfeigen, wäre ich diesen Weg, allen Widrigkeiten zum Trotz, nur so weitergegangen, hätte ich nur zu mir gestanden, zu der Harumi in mir, genau so, wie heute auch. Es gab ja damals eigentlich schon keine andere Alternative, wie es sie 10 Jahre später erst recht nicht gab, ich bin nach wie vor ich, Harumi! Vielleicht hätte ja meine Frau damals ebenso zu mir gehalten wie heute. Die Frage 'Was wäre wenn?' lässt sich nicht mehr beantworten.

Bei einem Coming-out zu dieser Zeit wäre ich bei weitem nicht so weit "vorbereitet" gewesen wie im Februar 2007. Ich wäre einfach ins Wasser gesprungen und hätte versucht, zu schwimmen. Ich hatte mich aber nicht getraut und das Leben ging weiter. Meine Ausflüge als Frau hielten sich anschließend relativ in Grenzen. In der nächsten Zeit verlor ich Michaela Lindner wieder aus den Augen.

 

Aufnahme vom 24.09.2004

Aufnahme mit Maske, man könnte ja vielleicht doch erkennen, wer und vor allem was ich bin!?

 

Mit der Weiterentwicklung der Computer für den Heimgebrauch erschloss sich für mich bald die Welt des Internet und da gab es dann ebay. Während ich nach der Wende Frauenkleidung wie schon vorher nur selten und unter äußerster Vorsicht gekauft hatte, konnte ich hier relativ anonym einkaufen. Hier kennt der Verkäufer nur meinen Namen und Adresse, nicht aber für wen es ist und stellt keine Fragen. Nachdem ich mir heimlich eine kleine Kollektion zugelegt hatte, entdeckte ich auch sehr ansprechende Frauenmasken aus Latex. Zuvor hatte ich mir mal in Berlin bei "Transformation" eine Maske für sündhaft viel Geld gekauft. Ein Vergleich mit den heutigen Masken aus Schaumlatex aus der Filmbranche ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Diese Masken kann man über längere Zeit fast problemlos tragen. Damit war ich dann schon mehrere Jahre vor meinem Coming-out oft in Frauenkleidern in Wald und Flur unterwegs. So konnte ich mir sicher sein, da erkennt dich eh' keiner, denn ich hatte eine höllische Angst, doch irgendwie mal erkannt zu werden. Einigen Leuten bin ich ja schon begegnet. Es hätte mich interessiert, was sie dachten und ob sie irgendwas bemerkt haben.

 

Die ganzen Jahre war ich fest verwurzelt im Brandenburger Modellbahn-Freunde e.V., dem ich seit 1971 angehörte und dessen Vorsitz ich ab 1984 übernommen hatte. Ihm widmete ich fast meine ganze Freizeit, so dass Harumi oft zu kurz kam. Die letzten beiden Legislaturperioden als Vorsitzende, aber zumindest die letzte, hätten nicht unbedingt mehr sein müssen. Zwar war der Verein über die ganzen Jahre mein Leben. Ich hatte ihn sicher durch die Wende gebracht und die weitere Grundlage war solide. Gerade aber die letzten 4 Jahre (2002 bis 2006) waren für mich eher eine Quälerei, einerseits der beruflichen Inanspruchnahme wegen, andererseits hatte ich ein immer mehr psychisches Unwohlsein in mir, ohne anfangs genau zu ahnen bzw. zu wissen, warum. Irgendwie fühlte ich mich in meinem Körper immer mehr unwohler. Ich stürzte langsam aber sicher in eine immer größere Identitätskrise. Meiner Frau erklärte ich öfter, dass ich ein Identitätsproblem hätte, wusste aber nicht so richtig, womit das zusammenhängen könnte. An Transsexualität dacht ich nicht. Bei den langen Autofahrten quer durch Deutschland zu den einzelnen Baustellen, wenn ich nicht selbst fahren musste, träumte ich immer mehr davon, wie ich als Frau durchs Leben ginge. Vermehrt gesundheitliche Probleme verschiedener Art häuften sich, ohne dass eine genaue Ursache festzustellen war. Ich dröhnte mich regelrecht mit übernommenen Aufgaben zu, bis ich dann der Meinung war, dass ich mit zunehmendem Alter vielleicht doch ruhiger treten sollte. Nach meinem Coming-out sind viele Krankheiten nicht mehr aufgetreten, also müssen sie psychosomatischer Natur gewesen sein.

Bis zu meinem Coming-out forderte sich diese Harumi in mir nun immer mehr und intensiver ein und ich gab ihr auch schon fast bedingungslos nach. Meine Zeitplanung kam immer mehr durcheinander, ich verpasste Termine, übernommene Aufgaben wurden nur noch gerade mal so erledigt. Wenn die Zeit für Harumi ran war, dann wollte sie nicht nur raus, dann musste sie raus. Und der Harald hatte ihr da auch nichts mehr entgegenzusetzen. Er ließ sie gewähren, so lange sie wollte. Sie hatte die Oberhand. Mit dieser Entwicklung wurde aber mein Hobby als Gegenpol, als Ausgleich zur sich aufbauenden inneren Spannung immer mehr aufgeweicht. Ich hätte viel eher im Verein ruhiger treten sollen, denn erst nachdem ich mich nun mehr und mehr aus dem aktiven Vereinsleben zurückgezogen hatte, bin ich meinem wahren ICH, meiner wirklichen Identität immer schneller näher gekommen. 

Der Harald, der sich erst in der Schule, dann im Beruf und auch im Verein als Mann behauptet hat, um nicht anders aufzufallen, weibliche Züge an sich zu zeigen, hatte erst mal diesen Harald nach außen hin als Mann projiziert und alle weiblichen Anteile immer mehr verdrängt. Das ging ständig weiter, über Jahre. Es heißt ja immer Mann, Mann, Mann, ein Mann hat es leichter, in der Gesellschaft zu überleben. Dann kam dieser Leidensdruck und da war zu merken, hier stimmt was absolut nicht: Du hast so lange den Harald nach außen gelebt und innerlich hast du so viele weibliche Anteile, die du unterdrückst. Das heimliche Coming-out, das Gefühl, du ziehst Frauensachen an, im ersten Moment; ein Mann zieht Frauensachen an und das wurde immer mehr bis ich dann gemerkt habe, ja ich fühle mich damit wohl. Aber immer noch für mich allein und die Situation wurde immer auswegloser. Es musste dringend etwas geschehen.

Ende 2006/ Anfang 2007 traute ich mich nun auch auf Einkaufstraßen im innerstädtischen Bereich in die Öffentlichkeit, erst in der Dämmerung, dann öfter auch am Tage, aber immer auf Distanz zu den Passanten. Auch hier waren Premnitz, Rathenow und Genthin meine "Teststrecken". Da meine Lieblingsmaske täuschend echt aussah, hat kaum einer von mir Notiz genommen oder gar etwas bemerkt. Begeistert und überrascht zugleich von dem Erfolg, wollte ich mehr. Da kam mir die Karnevalszeit zupass. Diesmal musste es klappen. Was geworden wäre, wenn nicht, weiß ich nicht, überlegen kann man sich vieles. Vom Gefühl her, ich hätte mich weiter belogen, hätte mein Umfeld weiter belogen. Ich denke, dass ich irgendwann später dieses Schauspiel so nicht hätte weiterspielen können. Vielleicht hätte ich mir was angetan. 

An Bekleidung und Accessoires hatte ich ja schon einiges und für den Namen 'Harumi' war die Entscheidung auch gefallen. (Meinen Namen Harumi habe ich nur zum besseren Verständnis meiner Entwicklung hier im Text schon vorher verwendet.) Ich wollte mit meiner Frau zu einer Karnevalsparty. Schon in den beiden Jahren davor sollte eigentlich diese Gelegenheit genutzt werden, aber auch hier traute ich mich jeweils einfach nicht, wie schon 1998, mich zu outen. Nachdem ich mich zu Hause zurecht gemacht hatte, stellte ich mich nun als Harumi meiner Frau vor...  (weiter im Teil 3)

 

 

Ausführliches, aktuelle Empfindungen, Erfahrungen findest Du, von Zeit zu Zeit ergänzt in meinem kleinen Tagebuch.

Eine kurze Zusammenstellung von Daten und Fakten ist meine transsexuelle Kurzchronik

 

Einige Bilder hier können auch vergrößert werden, einfach nur anklicken

Teil 2: überarbeitet bzw. ergänzt am 08.10.2015 (neue Erkenntnisse und Informationen wurden an entsprechender Stelle eingefügt)

 

Harumi Michelle

 

 

© H. M. Waßerroth

 

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