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Aufklärende Fragen zur Transsexualität

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www.Harumi-Michelle.de

Vita Harumi Michelle,

"Auf dem Weg zur Frau"

~Lebensweg einer Frau,

die nicht als Frau geboren wurde~

Teil 3

"Weil ich ein Mädchen bin!"

 

 

 

Teil 3

Coming-out, volle Selbstfindung, Transition bis zur OP

 

Am 10.02.2007 hatte Harumi ihren ersten offiziellen öffentlichen Auftritt.  Sie war nun richtig draußen in der großen weiten Welt und Harald hatte fortan immer weniger zu melden. 

Es begann für Harumi eine Entwicklung, die sie in ihren kühnsten Wunschträumen nicht geträumt hatte.

 

(weiter von Teil 2:)

 .... Meine Frau fand mich schick und "Wenn du dich traust, dann geh doch so!" waren ihre Worte. Dieses Outing hatte ich von langer Hand vorbereitet. Es gab also seelisch eigentlich kein Zurück mehr. Das Eis war gebrochen. 

Auf dem Weg zum Auto war ich der Grund für einen Beinaheunfall. Durch mein zugegeben etwas nuttiges Outfit; Plateau-Heels, Glanzstrumpfhose, Lackmini und eine Oberweite jenseits der Cup-Größe D waren für ihn wohl zu viel, hatte der Fahrer eines vorbeifahrenden Autos arge Spurprobleme. Bei der Party erkannte mich anfangs keiner. Erst durch die Parallele zu meiner Frau wusste man, wer hinter der Maske steckt. Von einigen, denen ich unbekannt war, wurde sogar öfter die Frage gestellt: Ist das wirklich eine Frau? Oder ist das etwa doch ein Mann? Eine ganz lustige Begebenheit am Rande war, dass ich von einer Bio-Frau gefragt wurde, ob ich mir diese großen Brüste nicht wegmachen lassen wolle, denn sie seien für mich doch viel zu groß.

Noch nahezu ungeübt im offiziellen weiblichen Auftreten war ich an diesem Abend sehr zurückhaltend. Dieses Leben als Frau, nun von allen beobachtet und gemustert, war für mich völlig neu. In mir schlummernde weibliche Fähigkeiten mussten ans Tageslicht gerufen werden und ich hatte auch noch viel zu lernen.

Bis dahin glaubte ich, andere Ursachen seien verantwortlich für mein psychisches Unbehagen, doch plötzlich war meine wahre Weiblichkeit erwacht und ich erkannte den Grund für dieses Unbehagen. Ein nie erfahrenes Glücksgefühl überkam mich. Trotzdem hatte ich Probleme, dies zu akzeptieren. Ich versuchte, mich damit intensiv zu befassen und begann meine Weiblichkeit zu leben und erleben. Meiner Frau musste ich nun auch reinen Wein einschenken und ihr alles erklären. Nach dem ich ihr erzählt hatte, dass ich schon seit der Pubertät spürte, eine Frau sein zu wollen, stellte sie nur resigniert fest: 'Oh weh, mein Mann ist schwul und pervers.' Aber bald sah sie dann ein, dass dem ja gar nicht so ist. Mein Selbstverständnis zu dieser Zeit: Meine Psyche hat eine Prägung, mit der wir nun offiziell klarkommen mussten und auch heute noch müssen. Sie wolle aber versuchen, mich zu verstehen und mich so auch zu akzeptieren. Ich solle ihr nur Zeit geben. Beiläufig hatte sie mir dann noch erzählt, dass sie sich schon oft gewundert hat, wo in unserer Wohnung immer wieder die langen Haare herkommen, doch nun weiß sie es. – Sie hatte aber nie danach gefragt.

Bei unserem Kenia-Urlaub zu meinem 50. Geburtstag, 1,5 Monate nach meinem Coming-out, hatte ich mir dann immer wieder ausgemalt, wie es wäre, wenn ich hier mit meinen derzeitigen Möglichkeiten bereits als Frau auftreten könnte. So weit war es aber noch nicht. Eine gravierende Veränderung gab es aber bereits: Jahrelang, eigentlich so lange ich zurückdenken kann, habe ich an den Fingernägeln gerissen oder wenn das nicht mehr ging, mit den Zähnen den Rest "erledigt". Alle Versuche, mir das abzugewöhnen blieben erfolglos, es war wie eine Sucht. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, war das Geschichte. Ich hörte auf, meine Fingernägel zu martern und fing an, sie richtig zu pflegen. Heute bin ich stolz auf meine gepflegten Fingernägel! Ich verspüre auch in keiner Weise mehr einen Drang, an meinen Fingernägeln zu reißen oder knabbern. 

Angespornt durch die Bestätigung meines Coming-out ist dann Harumi immer öfter unterwegs gewesen, kurze Zeit noch mit  Maske. Ich hatte immer noch Angst, von allen erkannt zu werden, auch von denen, wo ich mir sicher war, dass sie mit mir nun starke Probleme haben, was sich später auch bewahrheiten sollte. Meine über viele Jahre, vor allem als Vereinsvorsitzende, erworbenen Menschenkenntnisse sollten bestätigt werden. – Harald musste trotzdem immer mehr zu Hause bleiben. 

Nun hat eine Maske aber Nachteile in Bezug auf Mimik, Sprechen usw., kurzerhand entschloss ich mich, darauf zu verzichten. Auf Dauer war das ja eh' keine Lösung und mein Selbstbewusstsein, wirklich als Frau leben zu wollen, festigte sich rasant schnell. Jetzt musste ich mich schminken und hatte kaum Ahnung davon. Wozu gibt es das Internet? Hier habe ich viele Informationen und Anregungen gefunden. Heute klappt das alles super, man lernt ja immer dazu.

Sehr bald merkte ich, ich brauche dieses wirkliche und vor allem dauerhafte Frausein zu meinem Wohlbefinden. Die "Neigung" nicht ausleben zu können, konnte mich gelegentlich sogar aggressiv machen, geradezu unausstehlich, aber auch depressiv. Wenn ich aus den verschiedensten Gründen längere Zeit mal auf dieses Frausein verzichtete, dann ging in mir dieses Kribbeln los, die innere Ruhe kam gehörig durcheinander, der Körper wusste, was kommen musste. Dieses Verlangen, wirklich Frau zu sein, wurde immer häufiger und stärker, kam in immer kürzeren Abständen. Der Harald wurde zu Hause immer mehr eingemottet. 

Die Gefühle sind schwer zu beschreiben, wenn ich dann endlich die männlichen Äußerlichkeiten ablegen konnte und meine kunstvolle Verwandlung begann. Dieses Gefühl, einen Rock zu tragen und Nylonstrümpfe auf der Haut zu spüren, kann ich nur schlecht in Worte fassen. Wenn dann dazu noch die passenden Ergänzungen wie Make-up, Schuhe, Schmuck und Perücke stimmten, dann war die Illusion perfekt. Aus dieser Illusion sollte alsbald Realität werden, was ich hier aber noch nicht so ahnte. 

Bereits damals war es mir sehr wichtig, dass ich so natürlich und so weiblich wie irgend möglich wirke.  

Das wirklich allerletzte Foto von mir in der Rolle eines Mannes mit dem Namen Harald und mit meiner Ehefrau bzw. nun Ehepartnerin Anfang Juni 2007 bei einer Kinderfeier in einer Gaststätte in Brandenburg. Hier mit der großen Ausführung der kleinen Eisenbahn (LGB). 

 

Viel Zeit habe ich für alle Erkenntnisse gebraucht. Ich hatte mich ja immer wieder gefragt, ob mit mir etwas nicht stimmt. Ich dachte schon ich bin krank, oder gar pervers und hab mich anfangs oft gegen mein zweites ICH, gegen diese Harumi, was ja eigentlich mein wahres ICH ist, gesträubt. War ich mir bisher immer nicht so richtig sicher, ob ich überhaupt im richtigen Zug sitze, wusste ich nun, ich sitze im richtigen Zug und der ist mit mir schon vor sehr langer Zeit abgefahren. Er fuhr eigentlich schon 1998.

Wichtig für jeden ist es, genau zu wissen, was er ist bzw. sein möchte. Mein Weg ging erst zum Transvestiten. Ich verstand mich als Transvestit aus Leidenschaft, ein Wanderer zwischen den Geschlechtern. All das hat mich mein wahres ICH finden lassen, da war immer stärker der Wunsch, was ich ja auch bin, Frau zu sein und als Frau zu leben. Diese immer mehr manifestierte Alltagserfahrung ist kein Test, wie lange man es als Transvestit im Alltag aushält. Vielmehr ist es nach gründlicher Vorbereitung eine Selbsterfahrung, die die weibliche Identität bestätigt. Für einen Mann wäre es sicher nicht schön, von allen als Frau betrachtet zu werden.

Es folgte der immer weiter um sich greifende Wille, nun auch als Frau aufzutreten und möglichst auch so zu leben. Das Umfeld, in dem ich das umsetzte, wurde breiter und breiter. So folgte dann logischer Weise Anfang November 2007 ebenfalls ein Outing im Verein, im Brandenburger Modellbahn-Freunde e.V., der ja immerhin weit über 30 Jahre meine gesamte Freizeit prägte und den ich 22 Jahre leitete und auch ohne Mühen zu scheuen, sicher durch die Wende führte. Doch hier hatte ich die Rechnung ohne die gewissen "lieben" Vereinsmitglieder gemacht. Am 28.03.2008 endete meine Mitgliedschaft durch Ausschluss aus wichtigem Grund. Bereits angeschlagen durch den Spagat zwischen einem Leben als Mann und dann wieder als Frau und vor allem der immer mehr sich verschärfenden Diskrepanz zwischen Körper und Seele hatte ich den aufstrebenden Egozentrikern um den heutigen Vorsitzenden, Herrn D., dann nichts mehr entgegen zu setzen. Mit Herrn D., der lange Jahre auch mein Stellvertreter war, hatte ich bis dato aus meiner Sicht, zwar sind hin und wider auch Meinungsverschiedenheiten ja nichts Unnormales, ein gutes Verhältnis. Bereits gegen Ende des vergangenen Jahrtausends bot ich ihm an, den Vorsitz zu übernehmen, was er aber vehement ablehnte.

Als ich 2006 nicht wieder für den Vereinsvorsitz kandierte, war der Weg für die Egozentriker des Vereins frei. (Die allgemeine Berichterstattung über die letzte alljährliche Modellbahnausstellung [2010] in der Vorweihnachtszeit ist beredtes Beispiel: Herr D. hier, Herr D. da, Herr D. dort, nur die Mitglieder, ohne die alles gar nicht machbar wäre, wurden schlicht "vergessen".

Auch der Altvorsitzende Herr Dr. H., der den Verein aufgebaut und die ersten 22 Jahre vor mir geleitete hatte, dessen Wort immer etwas galt und geachtet wurde, gebärdete sich bei dem Gedanken, dass ein transidenter Mensch Mitglied des Brandenburger Modellbahn-Freunde e.V. ist, wie ein kleines Kind. Hätte nur noch gefehlt, dass er auch wie ein kleines Kind getrampelt hätte. Und diese Person (also ich) hatte auch noch die Frechheit besessen, ihn zur erfolgten Beleidigung meiner Person in der offiziellen Mitgliederversammlung in der Anzeige bei der Staatanwaltschaft ohne ihn höchstpersönlich dazu "zu gewinnen", als Zeuge zu benennen. Er ist eben ein alter seniler Opa geworden, dem die Zeit davon gerannt ist. (Näheres dazu hier.) 

 

Transition 

Ein Schmetterling lernt Fliegen :

 

Es kam, was kommen musste. Die entstandenen psychischen Zwänge konnte ich allein ohne Hilfe nicht mehr meistern. So begann dann im August 2008 schlüssig mit einer psychologischen Betreuung mein offizieller Weg zur Geschlechtsangleichung. Es wurde bestätigt, dass ich im falschen Körper stecke. Voller Freude und Zuversicht, nun endlich im empfundenen Geschlecht leben zu können, war ich fortan auch nach außen das, was ich bin, eine Frau. Ich will natürlich auch so verstanden und akzeptiert werden, obwohl mir bewusst ist, dass ich als Trans*  nie eine perfekte Frau werden kann. Es begann der geforderte sogenannte Alltagstest, ob ich als Frau überhaupt leben kann, steckte aber weiterhin in einem männlichen Körper. Für mich war es eigentlich gar kein Test, ich lebte endlich so, wie ich es mir immer erträumt hatte. Die ersten Wochen waren schon etwas ungewohnt, jeden Tag 24 Stunden lang Frau zu sein. Sehr schnell sind die etwas anderen Abläufe, die Einstellung und die weiblichen Gefühle Normalität geworden. All diese Erfahrungen der vergangenen Monate sind Bestandteil meines Lebens und ich möchte sie nicht missen, sie gehören einfach dazu. Mehr und mehr fühlte ich mich nun in meinem Empfinden stimmig. Die Hormonbehandlung hatte dann begonnen und der Antrag auf Änderung meines Vornamens offiziell in Harumi Michelle wurde gestellt. 

Seit durch die Hormone dann auch Brüste anfingen zu wachsen, ist mein Selbstbewusstsein als Frau immens weiter gestiegen. 

Das Jahr 2009 begann. Nach wochenlangem Grübeln und Abwägen, schlaflosen Nächten, eine achterbahnfahrende Psyche und sonst noch was, die Ehe stand auch auf der Kippe, war ich mir sicher, wie weit ich gehen will. Die OP ist das höchste Ziel meiner Geschlechtsangleichung. Da brachte mich nichts mehr von ab. Meine Frau und Partnerin akzeptierte das nun, wenn auch nicht gerade mit Freude, wusste sie doch, ganz Frau sein, ist mein höchstes Glück. Unser Urlaub zum Jahreswechsel hatte es noch mal bestätigt, ich bin kein Mann, allenfalls nur wegen des an mir hängenden nutzlosen Teils. Es kamen auch keine Gefühle oder Gedanken mit männlicher Prägung auf. Ich bin eine Frau und das immer bewusster!

Nun lebte ich schon seit August 2008 kompromisslos meinen Alltagstest. Am Beginn dieses Testes war ich mir bei Weitem noch nicht so sicher, wo führt mein Weg hin und wie weit will ich ihn gehen. Schließlich ist die hormonelle und operative Geschlechtsangleichung ein sehr schwerwiegender Schritt, nicht nur wegen der gesellschaftlichen Konsequenzen, sondern auch ein schwerer Eingriff und nicht ohne gesundheitliche Risiken. Hinzu kommt noch, dass dieser Schritt nahezu irreversibel ist. Für mich stand nun also eindeutig fest, dass ich eine körperliche Angleichung mit allen Konsequenzen wünsche.

Seit ich meinen offiziellen Weg begonnen hatte, hat der Mensch, der meiner Persönlichkeit entspricht, sich immer mehr Raum genommen, ist fast völlig integriert. Kaum noch vorstellbar, dass ich einmal in einer anderen Identität gelebt hatte, leben musste. Dennoch empfand ich oftmals auch einen tiefen Schmerz, wenn ich der Realität ins Auge blickte. Meine persönliche Entwicklung machte sichtbare Fortschritte, aber alles Behördliche ging nur sehr langsam voran, schien wohl auch künstlich verschleppt zu werden. Oft machten sich dann Gefühle der Ungeduld bemerkbar, die mich sehnsuchtsvoll verzweifeln ließen!

Ich hatte mit meiner Ehepartnerin immer wieder über alles gesprochen und sie versuchte, mich so gut sie es kann zu verstehen, obwohl es ihr wirklich nicht leicht fiel. Hatte sie vor über 20 Jahren angeblich einen Mann geheiratet, wusste sie nun, es ist eine Frau. Aber sie liebt mich auch so. Harumi Michelle ist nun mal die Realität unseres Lebens und es zu leugnen, wäre sich vor der Wahrheit zu verstecken.

Dank Hormonbehandlung entwickelte mein Körper langsam immer mehr weibliche Konturen, aber ich rannte der Zeit hinterher. Das wahre Alter lässt sich nur schwer leugnen. Mit entsprechender Kosmetik ist zwar noch vieles möglich, trotzdem gibt es unüberschreitbare Grenzen. Allenfalls die kosmetisch ästhetische Chirurgie kann einen Schritt weiter gehen, bzw. die Zeit optisch etwas zurückdrehen. Ich wollte deshalb sehen, was noch mit vertretbaren Mitteln machbar ist. Die Entscheidung, so was machen zu lassen, fiel bereits im Herbst 2008. Meine Partnerin stimmte sogar gleich zu. Beim Besuch der "Grünen Woche" im Januar 2009 in Berlin hatte ich die Menschen beobachtet, die mich genau musterten. Der erste Blick ging auf das Gesicht, waren sie sich nicht sicher, wanderte der Blick auf das Dekolleté, reichte das noch immer nicht, ging der Blick weiter nach unten in den Schritt, um endlich Gewissheit zu haben, ob Mann oder Frau. Deshalb habe ich mein Gesicht operativ verändern lassen, das ändern, was die Hormone nicht mehr schaffen konnten. Ich war zuversichtlich, dass es klappt und den Aufwand rechtfertigt, schließlich musste ich die Kosten dafür ja selbst tragen.

Nachdem die OP fast 4 Wochen zurück lag, war ich mit dem Ergebnis endlich vollends zufrieden. Eine grundlegende Veränderung, also Veränderungen an den Knochen, wollte ich nicht und so sind nur Nuancen im Weichteilbereich verändert worden. Kurz nach der OP gefiel ich mir überhaupt nicht. Aber nachdem alle Schwellungen abgeklungen waren, ein perfektes Passing. Ich wurde in der Öffentlichkeit wirklich nun nicht mehr als "verkleideter Mann" wahrgenommen. Sicherlich hatte daran auch die in Maßen durchgeführte Vergrößerung meiner Brüste einen gewissen Anteil, die ich wie jede Frau, nun nicht gerade verstecke. Und wenn das mit der Veränderung der Stimme auch konsequent durchgehalten wird, ist die (Trans-)Frau fast perfekt, denn ein kleines "Teil" war ja  noch immer zu viel. 

Nun war ich fast am Ziel meiner Transition, lebte bereits anerkannt und selbstbewusst im "Zielgeschlecht". 

Aufnahme: August 2008 Aufnahme: 09.04.2009

Im privaten Leben stand ich also meine "Frau". Seit Ostern 2009 ging ich wieder arbeiten. Ich wollte nun auch wissen, wie ich in diesem wichtigen Lebensbereich als Frau meine Aufgabe meistere. Viele Freunde und Bekannte hatten mich gewarnt, hatten auch mit Ratschlägen nicht gegeizt. Aber da musste ich allein durch. Ich hatte mich bis hier her durchgebissen, hatte mit Behörden und Institutionen gekämpft, war stellenweise schon so weit, alles hinzuschmeißen. Und dann wollte ich das doch nun auch noch schaffen! Sicherlich ist das Berufsleben in einer Männerdomäne auf dem Bau und dann als Frau kein Zuckerschlecken.

Mein Wiedereinstieg ins Berufsleben begann mit einer Tauglichkeitsbeurteilung durch den Arbeitsmedizinischen Dienst. Leider hatte die zuständige Ärztin keinerlei Erfahrung im Umgang mit transidenten Menschen, wie sie mir sagte. Woher auch, in ihrer 20jährigen Praxis gab es noch keine Gelegenheit dazu. Als Resultat unseres Gespräches kam zum Ausdruck, dass ein weiterer Einsatz auf Gleisbaumaschinen vorerst nicht angeraten ist. So wurde ich innerhalb der Niederlassung versetzt und weiter als Disponentin beschäftigt. Das war nicht gerade das, was ich mir ausgerechnet hatte, bedeutete es doch, täglich 85 km zum Betrieb hin- und wieder zurück zu fahren. Ich war nun mal nach über 30 Jahren Montage und es hatte mir ja auch Spaß gemacht, nicht gerade für den Innendienst zu begeistern. Es zeigte aber auch, dass mein Betrieb bemüht ist, mir eine weitere ansprechende Tätigkeit anzubieten. Über die Akzeptanz bzw. Toleranz meiner neuen Identität durch die Kollegen hatte ich gestaunt, war es doch ein Beweis dafür, dass mit ein bisschen Willen und Verständnis einiges möglich ist. Sie sind nett und höflich zu mir, wenn auch die meisten ein großes Problem mit meiner Transsexualität haben. Viele haben aber auch einfach nur Berührungsängste, kannten sie mich viele Jahre als Harald, einen angeblichen Mann, stehe ich nun als Harumi Michelle, als Frau vor ihnen. Dieses Problem war mir aber auch aus meinem privaten Umfeld bekannt. 

Nun gibt es allerdings auch Menschen, die alles verteufeln, bekämpfen und versuchen nieder zu machen, was sie nicht begreifen wollen oder können, nicht ihren Idealen entspricht und womit ihr Schubladendenken nicht klarkommt. Auch ewig Gestrige, die sich an alten Weltbildern festklammern. Es sind nicht viele, aber die einigen können einem schon mal das Leben schwerer machen. Mit solchen Leuten aus dem Modellbahnverein, in dem Harald Mitglied war, hatte ich bald ein Date vor Gericht. Das Resultat war; sie mussten mir eine Entschädigung für ihr loses Mundwerk zahlen. Und die "Ärmsten" verstehen das noch heute nicht, weil sie doch nur ihre Meinung unterstrichen hatten. Aber sie könnten ja beim nächsten Kirchenbesuch ihren lieben Gott bitten, zu erklären, warum er mit ihnen so grausam verfahren ist, wo sie doch nur arme Unschuldslämmchen sind. Vielleicht kann der das besser als der Richter am hiesigen Amtsgericht, der das vergebens versucht hat. Näheres dazu hier.

Das alles sind aber nur Peanuts im Gegensatz zu dem nervigen Warten auf Entscheidungen, die mein Leben weiter verändern, entscheidend verändern sollen und ich habe keinen Einfluss darauf. Das Betrübliche daran ist zudem, dass diese Entscheidungen Menschen treffen, die ich überhaupt nicht kenne und die mich genau so wenig. Du bist hier Spielball und auf fremdes Wohlwollen angewiesen. Was interessiert dabei schon der Leidensdruck der Betroffenen.

Der letzte Satz des letzten Absatzes enthält so viel traurige Wahrheit, dass dies schon ein triftiger Grund wäre zu sagen, 'Danke, das war es!'. Viele Monate warten auf eine Entscheidung, oder wenigstens ein Zeichen, dass daran gearbeitet wird und dann erfahren, April, April, du wartest umsonst. Eine Entscheidung, die das eigene Leben entscheidend verändern soll und worauf du sehnlichst gehofft hast, was du dir sehnlichst gewünscht hast, wurde noch nicht bearbeitet. Warum? Da bricht für dich eine Welt zusammen. Dein Psychologe, dem du vertraut hattest, dem du aus deinem Leben erzählt hattest, was du noch niemandem so gesagt hast, erklärt dir nach 6 Monaten, dass er noch immer keine Zeit gefunden hätte, deinen psychologischen Behandlungs-/Verlaufsbericht für die Krankenkasse zu formulieren, damit deine sehnlichst gewünschte Weiterbehandlung (Transformations-OP, die er selbst befürwortet!) genehmigt werden kann. Und das solltest du als Patientin dann auch bitteschön noch verstehen!... Dankeschön!!!... 

Da kamen schon Gedanken auf, die das eigene Sein in Frage stellten, Gedanken nach dem Sinn weiterzukämpfen, Gedanken, alles doch noch aufzugeben so kurz vor dem Ziel. Kurzum nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Und genau in dieser psychischen Krise, diesem psychischen Loch, in das ich gefallen war, habe ich spüren können, was echte Freundschaften bedeuten. Sie haben immer wieder versucht, mich vor Dummheiten zu bewahren, mir Kraft zu geben. Und sie haben das geschafft, was gewisse Ärzte, obwohl gerade sie dafür da sind, nicht können bzw. nicht wollen. Auch meine Partnerin war hier wieder eine große Stütze für mich, obwohl sie mit den sich langsam neu aufbauenden psychischen Problemen selbst schnell hoffnungslos überfordert war. – Nun galt es, die Wunden zu heilen und psychische Wunden liegen oft sehr tief. Es sollte eine gehörige Zeit dauern, bis ich wieder halbwegs so war wie vorher, glücklich und zufrieden in meinem neuen Leben.

Da aus diesem Grund die Ga-OP wieder ein Zukunftswunsch wurde, hatte ich eine andere OP, sie war erst für etwa Mitte 2010  geplant, zwischenzeitlich "vorgezogen". Im ASKLEPIOS-Fachklinikum Birkenwerda ließ ich am Bauch und in der Taille Fett absaugen. Auch beim besten Willen war mit Sport und Diät dem nicht mehr beizukommen. Vom so gewonnenen Eigenfett wurde dann etwas wieder im Gesicht, vor allem Lippen, unterspritzt. Diese Maßnahme wollte ich unbedingt, weil von dem Fettunterspritzen vom März nicht mehr viel übrig geblieben war. Das Ergebnis war nach dem Abklingen der üblichen Schwellungen wirklich super. Durch die Hormone war mittlerweile auch die Hüfte breiter und der Hintern etwas runder geworden und nun dazu die etwas schmalere Taille und der flachere Bauch, richtige weibliche Konturen. 

 

Das Foto rechts zeigt mich kurz vor der OP zum Fettabsaugen. Keine Perücke mehr, diese Haare sind echt und die sich unter dem OP-Hemdchen abzeichnenden Brüste natürlich auch.

 

Im Oktober 2009 hatte mein Namenänderungsverfahren beim Vormundschaftsgericht Potsdam nach fast 14 Monaten endlich ein gutes Ende gefunden. Ich erhielt unter Wegfall der bisherigen männlichen Vornamen nun offiziell als weibliche Vornamen die Namen "Harumi Michelle". Ausweis, Reisepass und was noch absolut vorher nicht umschreibbar war, wurde geändert. Außerdem war ich in München und habe mich für die Ga-OP definitiv bei Dr. Schaff angemeldet.

 

Das Jahr 2009 ging zu Ende und wurde, wie jedes andere Jahr auch, Geschichte. Es brachte viel Neues, vor allem die behördliche Anerkennung nun als Frau aber auch die Bestätigung, dass ein Leben nicht als Frau für mich vollkommen indiskutabel ist. Ich bin kein Mann, mein Leben als Harald war ein fehlgeschlagener Versuch. Trotzdem habe ich mein gestecktes Ziel leider nicht erreicht, die volle körperliche Angleichung. Das ganze Jahr über war mein Leben ausgerichtet auf die Schaffung der Voraussetzungen für die Durchführung der Ga-OP. Und dann kam das Fiasko, ich bin gescheitert an dem Unverständnis einiger Ärzte und meiner Krankenkasse. Alles, was ich selbst organisieren bzw. realisieren konnte, hatte funktioniert und bestens gepasst. Aber wenn du zwingend auf andere angewiesen bist, die über dich bestimmen müssen und dürfen, bist du jämmerlich verlassen! Die OP rückte wieder in weite Ferne. Psychisch wurde ich dadurch total aus der Bahn geworfen, was sich auch bis Anfang 2010 nicht viel besserte, Lethargie und sehnsuchtsvolles Hoffen wechselten einander. Keine Reaktion meiner Krankenkasse mehr, außer dass sie pünktlich Krankengeld zahlt und das kommentarlos über viele Monate.

Über ein Jahr nach Antragstellung auf Kostenübernahme für die Ga-OP stellte die Krankenkasse bzw. der MDK fest, dass weitere Beweise, sprich Befunde, für eine Entscheidungsfindung benötigt werden. Meine Psyche fuhr immer mehr Achterbahn, das ewige Warten nervte! Was nun noch und wie lange bis zur Entscheidung?

Mitte März 2010, fast auf den Tag genau ein Jahr nach meiner ersten Angleichungs-OP, folgte dann die dritte Gesichts-OP, bei der ich auf Grund einer aufgetretenen Medikamentenallergie beinahe auf der Strecke geblieben wäre. Diese OP sollte der Abschluss meiner Verweiblichung der Gesichtszüge sein. Ich hatte diese OP ebenfalls vorgezogen, weil der Termin für die geplante Ga-OP noch in weiter Ferne schien. Doch wie ein Geschenk zu Pfingsten wurde ich kurz vor dem Fest gefragt, ob dieser Termin um 5 Monate vorgezogen werden könne. Natürlich konnte er und ich hatte überglücklich zugestimmt. 

Der 30.06.2010 wurde so zum Termin meiner Neugeburt – nun als Frau...

 

Eine kurze Zusammenstellung von Daten und Fakten ist meine transsexuelle Kurzchronik

Ausführliches, aktuelle Empfindungen, Erfahrungen findest Du, von Zeit zu Zeit ergänzt in meinem kleinen Tagebuch.

 

Einige Bilder hier können auch vergrößert werden, einfach nur anklicken

Teil 3: überarbeitet bzw. ergänzt am 11.12.2010 (neue Erkenntnisse und Informationen wurden an entsprechender Stelle eingefügt)

 

Harumi Michelle

 

 

 

© H. M. Waßerroth

 

 

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